Abstract

Heitland, W., Freise, J. F., Sturm, A. & N. Lenz (2005): Die Rosskastanien-Miniermotte Cameraria ohridella DESCHKA & DIMIC, 1986 (Lepidoptera, Gracillariidae): Gründe ihres Erfolgs als Blattschädling an der weiß blühenden Gewöhnlichen Rosskastanie Aesculus hippocastanum (Hippocastanaceae) und Möglichkeiten zur Bekämpfung. Entomologie heute 17: 157-172.

Die Rosskastanien-Miniermotte Cameraria ohridella, deren Larven in den Blättern der weiß blühenden Gewöhnlichen Rosskastanie Aesculus hippocastanum minieren, ist noch immer ein großes Problem für Gärtner und Stadträte. Dies hat auch dafür gesorgt, dass die Gewöhnliche Rosskastanie in Deutschland zum Baum des Jahres 2005 bestimmt wurde. Nach der Entdeckung der Rosskastanien-Miniermotte am Ohridsee in Mazedonien im Jahr 1984 und ihrer Beschreibung als neue Art C. ohridella hat sie ihr Areal mit hoher Geschwindigkeit (50-100 km/Jahr) ausgedehnt und kann nun im Norden bis England, Dänemark und Schweden beobachtet werden. Der Blattminierer wurde 2002 auch in Madrid beobachtet und hat inzwischen mehr als die halbe Fläche der Ukraine erobert. Verschiedene Methoden der biologischen Schädlingsbekämpfung wurden getestet, um den von dieser invasiven Art verursachten, auffälligen Blattschaden zu verringern. Alle bislang getesteten Methoden konnten den Schaden lediglich 'statistisch' reduzieren. Eine Bekämpfungsmaßnahme wird aber nur dann von Stadträten und der Öffentlichkeit akzeptiert, wenn sie auch zur einer 'optischen' Senkung des Blattschadens führt. Andererseits konnte gezeigt werden, dass der schwere Blattschaden geringere Auswirkungen auf die Gesundheit der Rosskastanien hat als zunächst angenommen, was auch erklärt, warum bisher kein Massenabsterben der Bäume beobachtet werden konnte. Mit pflanzenphysiologischen Modellen wurde gezeigt, dass eine Verzögerung schwerer Blattschäden um nur 10-20 Tage den Verlust der jährlichen Netto-Primärproduktion beträchtlich reduzieren kann. Derzeit scheinen die Rosskastanien in Städten weniger gefährdet zu sein als befürchtet, langfristige Auswirkungen auf die Reliktstandorte auf dem Balkan können aber nicht ausgeschlossen werden. Bis heute sind keine natürlichen Gegenspieler in Europa bei der Reduktion der Populationen von C. ohridella effektiv. Alle biologisch verträglichen Bekämpfungs­möglichkeiten können nützlich sein, bis sich in Europa einheimische Parasitoide an diese neue, invasive Insektenart angepasst haben oder effektive natürliche Gegenspieler aus der bis jetzt unbekannten Heimatregion von C. ohridella eingeführt werden können. In dieser Übersichtsarbeit fassen wir die neuesten Ergebnisse der Cameraria-Forschung zusammen.

Keywords: Cameraria ohridella, Aesculus hippocastanum, invasive Arten

The horse-chestnut leafminer Cameraria ohridella, mining on the white-flowering horse chestnut Aesculus hippocastanum, still is a major problem for gardeners and municipals. First observed at Lake Ohrid in Macedonia in 1984 and described as a new species, the moth expanded its range at a tremendous speed (50-100 km/year) and now can be observed as far north as England, Denmark and Sweden. The leafminer was also observed in Madrid in 2002 and meanwhile has conquered more than half of the Ukraine. To reduce the spectacular leaf damage caused by this invasive insect pest, several biological control methods have been tested. All methods tested so far could reduce the amount of damage only 'statistically'. However, a control method only will be accepted by municipals and the public when it results in an 'optic' reduction of leaf damage. On the other hand, it could be shown that the severe leaf damage has less effects on the health of horse chestnut trees than previously assumed, explaining why, up to now, no die back of trees could be observed. Plant physiological models showed that a delay of the severe leaf damage by only 10-20 days in early summer can reduce the loss of annual net primary production significantly. At the moment, it seems that the trees in towns are less endangered than assumed, however, long term effects on the horse chestnut trees at natural stands on the Balkans cannot be excluded. Up to now, European natural enemies are not effective to reduce C. ohridella populations significantly. Thus, all biologically based control methods are a suitable tool to control C. ohridella until European indigenous parasitoids have adapted to this new invasive insect pest, or until effective natural enemies from the as yet unknown origin of C. ohridella can be introduced. In this review we summarize recent results of the Cameraria research.

Keywords: Cameraria ohridella, Aesculus hippocastanum, invasive species.

Lehrstuhl f. Tierökologie

Last modified: wh 03.11.05